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Chronische Erkrankungen und Demographie

Statistisches Bundesamt

Das Spektrum der Krankheiten in Deutschland hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten stark von den akuten zu den chronischen Krankheiten verschoben. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und chronische Lungenerkrankungen sind typische Vertreter dieser Krankheiten.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt diese Liste bei der Anzahl der Todesfälle an. Sie stellen die Todesursache bei fast jedem zweiten Toten in Deutschland: Fast 91 % der Verstorbenen waren über 65 Jahre alt.

Durch die ständig steigende Lebenserwartung wird die Zeit in die Dauer der chronischen Erkrankung länger. Das führt vielfach zusätzlich zu ungleich schwereren Folgeerkrankungen wie z. B. Herzinfarkte und Schlaganfälle.

 

Chronische Erkrankungen

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems führten im Jahr 2005 in Deutschland zu 367.361 Todesfällen; bei fast jedem zweiten Deutschen (ca. 45 %) wurde der Tod durch eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems ausgelöst (STATISTISCHES BUNDESAMT 2006). Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen damit weiter unverändert die Liste der Todesursachen an. Infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen starben insbesondere ältere Menschen: Fast 91 % der Verstorbenen waren über 65 Jahre alt. Ein zunehmendes Problem ist dabei die in Deutschland wie in anderen westlichen Industrieländern stetig wachsende Zahl chronisch herzkranker Patienten. Derzeit leiden ca. 1,8 Millionen Deutsche an chronischer Herzinsuffizienz, jährlich kommen 200.000 bis 300.000 Patienten hinzu.

Im Jahr 2002 wurden im deutschen Gesundheitssystem 35,4 Milliarden Euro für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgewendet; das sind 15,8 % aller Krankheitskosten (223,6 Milliarden Euro). Neben die direkten Krankheitskosten treten oft Einschränkungen in der Lebensqualität der Patienten und teilweise erhebliche indirekte Kosten. So ermittelte das Statistische Bundesamt für das Jahr 2004 3,4 Millionen verlorene Lebensjahre und über 400.000 verlorene Erwerbstätigkeitsjahre.

Laut Angaben der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS) sind aktuell über 7 Millionen Menschen in Diabetes-Behandlung, weitere ca. 3,5 Mio. wissen nichts von ihrer Erkrankung. Jeden Tag kommen etwa 1.000 Betroffene dazu – zunehmend in jüngerem Alter und bedauerlicherweise auch immer mehr Jugendliche. Die Steigerung ist auf falsche Ernährung und ungesunde Lebensweise zurückzuführen. Aktuelle Studien zeigen, dass die Gesundheitskosten für Menschen mit Diabetes fünfmal so hoch liegen wie für Menschen ohne Diabetes. Diabetes schränkt vielfach auch die berufliche Belastbarkeit ein. Zahlreiche Folgeerkrankungen treten mit erhöhtem Risiko auf.

Gleichzeitig besteht bei Diabetes mellitus wie bei kaum einer anderen chronischen Erkrankung die Möglichkeit, durch eine gute Einstellung des Blutzuckers und eine gesunde Lebensweise die Folgen der Erkrankung zu mildern, ein normales Leben zu führen und die Kosten nahezu auf diejenigen eines Durchschnittspatienten zurückzuführen.

Bluthochdruck und Diabetes mellitus sind die wichtigsten Risikofaktoren für den Schlaganfall (SCHAUDER ET AL. 2006). Der Schlaganfall ist in Deutschland nach verschiedenen Herzerkrankungen und Lungen-/Bronchialtumoren mit 15 % aller Todesfälle die fünfthäufigste Todesursache (STATISTISCHES BUNDESAMT 2006). Zudem stellt er die häufigste Ursache für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter dar. Den als repräsentativ geltenden Berechnungen des Erlanger Schlaganfallregisters zufolge, kommt es pro Jahr in Deutschland zu 150.000 Neuerkrankungen und ca. 50.000 Rezidivschlaganfällen, sodass pro Jahr eine Gesamtzahl von etwa 200.000 Schlaganfällen zu versorgen ist.

Durch die überlebenden Patienten (bei ca. 20 % bis 30 % führt der akute Schlaganfall zum Tode) kommt es in Deutschland zu einer Prävalenz der Schlaganfallkranken mit ihren Spätfolgen in der Größenordnung von 500.000 Patienten, die zu jedem Zeitpunkt zu versorgen sind. Bei ca. 40 % der Überlebenden kommt es zu schweren chronischen Folgeschäden. Nach einer umfassenden metaanalytischen Aufarbeitung der Publikationen zu den Folgekosten durch PAYNE ET AL. 2002 ist, bezogen auf die 1990er Jahre, mit jährlichen Gesamtkosten von 8.000 Euro bis 54.000 Euro pro Patient und mit individuellen Langzeitkosten zwischen 18.000 Euro und 230.000 Euro pro Fall zu rechnen.

Gefäßerkrankungen und Herzkreislauferkrankungen werden zunehmend als Risikofaktoren für die Demenz vom Alzheimer-Typ erkannt (KUDO ET AL. 2000, BRETELER 2000). Dieser macht ca. 60 % aller Demenzerkrankungen aus. Die Häufigkeit von Demenzen nimmt mit steigendem Lebensalter zu:  60jährige ca. 1 %, 70jährige ca. 5 %, 80jährige ca. 20 % und 90jährige ca. 30%. Zurzeit leben in Deutschland schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen, die an Demenzen leiden. Das Institut für Gesundheitssystem Forschung in Kiel rechnet für die durch Demenz verursachten Behandlungs- und Pflegekosten mit Gesamtkosten bis 35 Milliarden Euro pro Jahr. Bedingt durch die Veränderung der Bevölkerungsstruktur werden die Zahlen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter zunehmen. Bis zum Jahr 2050 wird mindestens mit einer Verdoppelung, wenn nicht Verdreifachung der Zahl der Demenzkranken gerechnet.

Demographische Veränderungen

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wird die absolute Anzahl der über 60-Jährigen von heute 18,4 Millionen auf 26,3 Millionen im Jahre 2030 ansteigen. Als Ursachen hierfür können einerseits die ständig steigende Lebenserwartung, die in erster Linie im medizinischen Fortschritt begründet ist und andererseits das Heranwachsen der geburtenstarken Jahrgänge der 60-er Jahre angeführt werden.

Diese Entwicklung wird sich aller Voraussicht nach fortsetzen, in dem insbesondere die Anzahl der Hochbetagten in Zukunft weiter erheblich anwächst. Der Anteil der Menschen ab 80 Jahren, der um 1900 erst rund 0,5 % der Bevölkerung ausmachte und gegenwärtig auf 3,6 % (2,9 Millionen Menschen) gestiegen ist, dürfte bis 2020 auf 6,3 % und bis 2050 auf etwa 11 % weiter steigen (BUNDESTAG 2002).

Das Spektrum der Krankheiten in Deutschland hat sich in den letzten Dekaden quantitativ von den akuten hin zu den chronischen Erkrankungen stark verschoben. Gerade Menschen mit hohem und sehr hohem Alter sind durch die chronischen und meist irreversiblen Krankheiten charakterisiert, die eine medizinische Behandlung in aller Regel bis ans Ende des Lebens erfordern. Meist nehmen diese Krankheiten in ihrem Schweregrad mit zunehmendem Alter zu, das heißt, das Gesamtbild dieser chronischen Erkrankungen verschlechtert sich.

Dabei ist es nicht immer möglich, physiologische Altersveränderungen von krankhaften Prozessen zu unterscheiden. Aber gerade dieser Sachverhalt ist zum Verständnis der Entwicklung von chronischen Krankheiten und deren Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten sehr wichtig. Funktionsausfälle können im Alter wesentlich schlechter kompensiert werden als bei jüngeren Menschen. Bei der Beurteilung der verschiedenen chronischen Erkrankungen ist unter anderem zu berücksichtigen, dass die Funktionseinschränkungen nicht alle Organe und Gewebe gleichförmig betreffen.

Zurzeit finden sich bei zwei Drittel aller Todesursachen chronische Erkrankungen. Das Nebeneinander von verschiedenen Krankheiten beim älteren Menschen, die gleichzeitig oder auch zeitlich versetzt auftreten und vielfach zu den chronischen Krankheiten gehören – die Multimorbidität – ist ein bekanntes Charakteristikum des älteren Menschen. Zu den häufigen chronischen Erkrankungen bei Älteren gehören der Diabetes mellitus, hoher Blutdruck, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, cerebrale Erkrankungen (insbesondere die Ischämien) und die große Gruppe der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Literatur

Breteler, M. M. (2000): Vascular Risk Factors For Alzheimer’s Disease: An Epidemiologic Perspective. In: Neurobiology of Aging 21, S. 153-160.

Bundestag (2002): Vierter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bun-desrepublik Deutschland: Risiken, Lebensqualität und Versorgung Hochaltriger – unter besonderer Berücksichtigung demenzieller Erkrankungen. Drucksache 14/8822 vom 18.04.2002

DIW (2001): Wochenbericht des DIW Berlin 5/01 „Starker Anstieg der Pflegebedürftigkeit zu erwarten: Vorausschätzungen bis 2020 mit Ausblick auf 2050“.

Kudo, T.; Imaizumi, K.; Tanimukai, H. & al., e. (2000): Are Cerebrovascular Factors Involved in Alzheimer’s Disease? In: Neurobiology of Aging 21 (2), S. 215-224.

Mix, S.; Nieczaj, R.; Borchelt, M.; Trilhof, G.; Steinhagen-Thiessen, E. (2002): Telereha – Die Erprobung einer Telematik-Anwendung im geriatrisch-rehabilitiven Umfeld. Health Academy 1/2002, S. 69-80, Dresden, 2002.

Payne K. A.; Huybrechts K. F.; Caro J.; Craig Green T. J.; Klittich W.S. (2002): Long Term Cost-of-Illness in Stroke: An International Review. PharmacoEconomics, Volume 20, Number 12, 2002, pp. 813-825(13).

ProAlter (2003): Fachmagazin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, Ausgabe I/2003, S. 4ff.

Schauder, P.; Berthold, H.; Eckel, H.; Ollenschläger, G. (Hrsg.) (2006): Zukunft sichern: Senkung der Zahl chronisch Kranker. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 2006.

Statistisches Bundesamt (2006): Diagnosedaten der Patienten und Patientinnen in Krankenhäusern (einschl. Sterbe- und Stundenfälle), Fachserie 12, Reihe 6.2.1., Juli 2006, Wiesbaden.

 
Ansprechpartner:
 

Dr. Thomas Becks
Deutsche Gesellschaft für
Biomedizinische Technik (DGBMT) im VDE
Stresemannallee 15
60596 Frankfurt am Main

Tel.: 069 6308-208
E-Mail: dgbmt@vde.com
www.dgbmt.de

 
  
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